Manufaktur
Warum ein Riemen gerade im Winter glänzt
Im Winter wird der Antrieb zum Pflegefall: Salzwasser spült das Öl aus der Kette, und was bleibt, ist Schleifpaste. Ein Zahnriemen hat dieses Problem nicht, weil er gar kein Öl braucht.

· 5 Min. Lesezeit · Aus der Manufaktur
Aus der Werkstatt der bikeOgroup in München-Giesing – Familienbetrieb im Fahrradfachhandel seit 1987.
Rost braucht Stahl, ein Riemen hat keinen
Ein Zahnriemen besteht aus Kunststoff mit eingelegten Zugfasern. Es gibt dort nichts, was korrodieren könnte – Salzwasser tut ihm schlicht nichts. Eine Kette dagegen rostet nicht an der Oberfläche, sondern innen zwischen Bolzen und Hülse, wo man nicht hinwischt.
Das macht den Unterschied im Februar aus: Die Kette will nach jeder Salzfahrt Aufmerksamkeit, der Riemen will gar nichts. Abspülen reicht, und auch das nur der Optik wegen.
Was ein Riemen dafür verlangt
Ein Riemen lässt sich nicht öffnen. Damit er aufs Rad kommt, muss der Hinterbau eine Trennstelle haben – eine verschraubbare Lasche in der Kettenstrebe. Ein Rahmen, der dafür nicht gebaut ist, lässt sich nicht nachträglich umrüsten.
Außerdem braucht er eine gekapselte Schaltung, also eine Nabenschaltung oder ein Getriebe. Mit einer Kettenschaltung funktioniert er nicht, weil der Riemen nicht seitlich springen darf.
Die Spannung ist der ganze Trick
Ein Riemen braucht eine bestimmte Spannung: zu wenig, und er springt unter Last über die Zähne; zu viel, und die Lager in Tretlager und Nabe tragen dauerhaft mehr, als sie sollen.
Richtig eingestellt hält er sehr lange und verändert sich praktisch nicht. Das ist der eigentliche Komfortgewinn – nicht, dass er sauberer ist, sondern dass er über Jahre gleich bleibt.
Für wen sich das rechnet
Für Vielfahrer im Alltag, besonders bei Rädern, die draußen stehen und im Winter gefahren werden. Dort spart der Riemen jede Saison mehrere Werkstattbesuche und hält länger als zwei bis drei Kettensätze.
Weniger sinnvoll ist er bei Rädern mit großer Gangbandbreite im Gelände oder bei sehr sportlicher Nutzung – dort sind Kettenschaltungen leichter und feiner abgestuft.
Ein Riemen rostet nicht, weil nichts daran aus Stahl ist. Dafür braucht er einen Rahmen mit Trennstelle – das lässt sich nicht nachrüsten.
Ausführlich im Ratgeber: Kette, Kassette, Kettenblatt: Wann der Antrieb verschlissen ist
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