Zum Inhalt springen
bikeOstore

Werkstatt

Nasse Straßen: woran du einen guten Reifen erkennst

Beim Fahrrad bremst nicht die Bremse, sondern der Reifen. Die Bremse hält das Rad an, aber ob das Rad dabei auf der Straße bleibt, entscheidet die Handbreit Gummi, die gerade Kontakt hat. Auf nassem Laub oder feuchten Tramschienen ist das eine sehr kleine Fläche.

Werkzeug und ein ausgebautes Laufrad auf der Werkbank

· 5 Min. Lesezeit · Aus der Werkstatt

Aus der Werkstatt der bikeOgroup in München-Giesing – Familienbetrieb im Fahrradfachhandel seit 1987.

Profil hilft weniger, als alle denken

Beim Auto verdrängt das Profil Wasser, damit der Reifen nicht aufschwimmt. Beim Fahrrad passiert das praktisch nie: Die Auflagefläche ist zu schmal und der Druck zu hoch, als dass sich ein Wasserkeil bilden könnte. Ein Stadtreifen mit glatter Mitte ist auf nassem Asphalt deshalb nicht schlechter als einer mit grobem Muster – oft ist er sogar besser, weil mehr Gummi die Straße berührt.

Wichtig wird Profil dort, wo der Untergrund selbst nachgibt: auf Schotter, nassem Laub, Waldboden. Wer im Winter über die Isarwege fährt, hat mit etwas Struktur an den Schultern mehr Reserven als mit einem reinen Straßenreifen.

Die Gummimischung ist der eigentliche Unterschied

Weicher Gummi haftet besser und verschleißt schneller, harter hält länger und rutscht früher. Die Hersteller geben das selten in Zahlen an, aber ein Hinweis steht fast immer auf der Flanke oder im Datenblatt: Reifen, die mit Grip oder Wintertauglichkeit beworben werden, haben eine weichere Mischung.

Unter etwa fünf Grad verhärten viele Standardmischungen spürbar. Das merkst du nicht beim Geradeausfahren, sondern beim ersten Mal, wenn du in einer feuchten Kurve zu viel Vorderbremse gibst.

Woran du siehst, dass deiner durch ist

Es gibt drei Zeichen, die ziemlich eindeutig sind. Du brauchst dafür kein Werkzeug, nur Licht und zwei Minuten.

Die Mitte ist flach
Ein neuer Reifen ist im Querschnitt rund. Wenn die Lauffläche in der Mitte eine erkennbare Abflachung hat, ist der Großteil des Gummis weg – und mit ihm die Kurvenreserve.
Risse in der Flanke
Feine Risse am Übergang zur Felge heißen: Der Gummi ist ausgehärtet. Das passiert auch bei wenig gefahrenen Rädern, einfach mit der Zeit.
Eingefahrene Splitter
Kleine Glas- oder Steinsplitter, die in der Lauffläche stecken, arbeiten sich mit jeder Umdrehung tiefer. Raus damit, bevor sie durch sind.

Pannenschutz kostet Rollwiderstand – und das ist in Ordnung

Ein Reifen mit kräftigem Pannenschutzgürtel rollt messbar schwerer. Auf einer Rennstrecke wäre das ein Argument. Auf dem Weg zur Arbeit über Münchner Baustellen ist eine Panne im Dunkeln bei Regen teurer als die paar Watt.

Wer das Rad täglich braucht und nicht mit Flickzeug unterwegs sein will, fährt mit einem geschützten Reifen entspannter. Wer sonntags Strecke macht, darf leichter wählen – und sollte dann Flickzeug dabei haben.

Auf nassem Asphalt zählt die Gummimischung, nicht das Profil. Und ein Reifen mit flacher Mitte hat seine Kurvenreserve schon hinter sich.

Mehr lesen

Auch interessant.

Weiter

Reifenwechsel ansehen

Alle Arbeiten mit Festpreis. Der Reifen selbst kommt dazu.

Reifenwechsel ansehen